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«Einleitende Worte»

Als Onkologe bin ich täglich mit krebskranken Menschen konfrontiert. Die Therapiemöglichkeiten einer Krebserkrankung haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt, so dass wir immer mehr Menschen heilen können. Bei jenen Patienten, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich ist, ist die Verminderung des Leidens oder die Verlängerung der aktiven Lebensphase ein realistisches Ziel. Doch im weiteren Krankheitsverlauf können sich diese Ziele erschöpfen und die bestmögliche Symptomkontrolle und Begleitung stehen nun im Vordergrund. Aus diesem Grund haben wir hier in St.Gallen schon sehr früh die Palliativversorgung als wichtigen Teil der Onkologie erkannt und gefördert. Auf der Palliativstation sollen die schwerkranken und sterbenden Menschen die Lebensqualität soweit wie möglich wiedererlangen, damit sie nach Möglichkeit in ihre vertraute Umgebung zurückkehren können, sei dies nach Hause oder ins Alters- und Pflegeheim. Für einen kleinen Teil unserer Patienten ist dies nicht mehr möglich. Sie benötigen zwar das Akutspital nicht mehr, sind aber zu schwer krank oder ihre Pflege ist zu aufwändig, als dass sie zuhause betreut werden könnten. Oder es handelt sich um jüngere Menschen, z.B. noch mit schulpflichtigen Kindern, bei denen das soziale Umfeld eine Betreuung zuhause nicht mehr zulässt und Alters-und Pflegeheime nicht die passende Umgebung bieten können. Für diese schwerkranken Menschen, die vom Schicksal schon schwer geprüft sind, fehlt uns in der Ostschweiz bisher ein würdiger letzter Betreuungsort. Das Hospiz St.Gallen füllt diese Lücke.

Ich bin als Onkologe, als ehemaliger Präsident der Krebsliga und als Privatperson den initiativen Menschen dankbar, dass sie den Mut haben, das grosse und wichtige Projekt des Hospiz St.Gallen zu verwirklichen. Die Vision dazu besteht schon lange, nun soll sie Tatsache werden.

Herzlichst
Prof. Dr. med Thomas Cerny
Chefarzt Onkologie am Kantonsspital St.Gallen
Ehrenpräsident der Krebsliga Schweiz